Die chinesische Künstlerin und HfG Absolventin Boshuan Zhang präsentierte im Mai 2026 in der Johanneskirche ihre Diplomausstellung „It Never Ends“ , die drei großformatige, den Kirchenraum einnehmende Werke umfasst.
Zwei der drei Arbeiten blieben bis Mitte Juni 2026 in der Johanneskirche und konnten zu den Gottesdienstzeiten betrachtet werden.
Jedes der Werke entstammt einer anderen Szene kollektiver Massenrituale und Feierlichkeiten: einer riesigen Halle bei der Aufnahmeprüfung zur Kunstakademie, einer Massenhochzeit und einer Panoramaaufnahme massenhafter erotischer Verstrickungen.
Die Bilder, die Szenen von Massenritualen und Feierlichkeiten entstammen, werden zu dichten, hypnotischen geometrischen Formen umgestaltet. Sie verwandeln ein Phänomen des modernen Lebens in eine endlose Bildschleife, in der ein Wechsel der Wahrnehmung zwischen Distanz und Nähe stattfindet und zwei völlig unterschiedliche Dinge offenbart:
Aus der Ferne eine rein geometrische Ordnung, aus der Nähe die dicht geschichteten Körper und Handlungen, die im Ganzen aufgegangen sind. Das Individuum ist in einer Struktur hochdichter Wiederholungen gefangen, umgestaltet und nur zeitweise sichtbar.
Eingebettet in einen religiösen Ort treten diese Formen in direkten Dialog mit der Kirche, einem der ältesten Zeugnisse gemeinschaftlichen Glaubens. Als Ort kollektiver Ordnung, ritueller Erfahrung und spiriueller Projektion ist die Kirche selbst Bühne für dieselben Fragen, die das Werk aufwirft. Die zeitgenössischen, kollektiven Formen innerhalb des Werkes finden hier ein stärkeres Echo. Die Kirche umschließt das Werk nicht nur, sondern konzentriert und intensiviert es und macht seine Strukturen verständlicher. Ihre Begegnung ist struktureller Natur.
Das Werk lässt sich nicht vollständig durch Bilder alleine vermitteln. Es muss persönlich erlebt, im Raum selbst betrachtet werden. Das Werk beginnt, wenn der Betrachter den Raum betritt.